Stell dir zwei Hunde vor. Beide haben seit Monaten immer wieder weichen Kot, manchmal mit Schleim, dazwischen gibt es gute Tage. Beide Halterinnen haben schon verschiedene Probiotika ausprobiert, mal wurde es besser, dann kam der nächste Rückfall. Wenn du die beiden Hunde nebeneinander siehst und nur auf die Symptome schaust, würdest du ihnen dasselbe geben. Bei einer Kotuntersuchung zeigt sich dann aber, dass beim ersten Hund die Darmschleimhaut entzündet ist, während beim zweiten die Bauchspeicheldrüse zu wenig Verdauungsenzyme liefert und das Fett nicht richtig verdaut wird. Gleiche Symptome, zwei völlig unterschiedliche Baustellen.

Immer wieder wird darüber diskutiert, ob eine Kotuntersuchung beim Hund überhaupt sinnvoll ist oder ob man sich das Geld sparen und direkt mit dem Darmaufbau anfangen sollte. Ich kann gut verstehen, dass dich das verunsichert, denn eine umfassende Untersuchung kostet einiges, und niemand gibt gern Geld für etwas aus, das am Ende nichts bringt.
Deshalb erkläre ich dir in diesem Artikel, was die einzelnen Untersuchungen können, wo ihre Grenzen liegen und warum keine von ihnen allein dir sagt, was deinem Hund fehlt. Und ich erkläre dir, warum sie zusammen trotzdem eine Grundlage liefern, die du durch reines Beobachten nicht bekommst.

1. Dieselben Symptome, ganz verschiedene Ursachen

Der Darm hat nur eine begrenzte Zahl an Möglichkeiten, dir zu zeigen, dass etwas nicht stimmt. Weicher Kot, Schleim, Blähungen, Grummeln, wechselnde Kotkonsistenz oder ein Hund, der mal frisst und mal nicht, das sind die Signale, die du siehst. Hinter diesen Signalen kann aber sehr Unterschiedliches stecken.

Eine entzündete Darmschleimhaut kann genau diese Symptome auslösen, ebenso eine Bauchspeicheldrüse, die zu wenig Verdauungsenzyme liefert, eine gestörte Fettverdauung, eine durchlässige Darmwand, eine Fehlbesiedlung im Dünndarm, Parasiten wie Giardien oder schlicht eine Fütterung, die nicht zum Hund passt. Häufig spielen auch mehrere dieser Faktoren gleichzeitig zusammen, und genau das macht die Sache kompliziert.

Von außen sieht das alles gleich aus. Und das ist der Kern dieses Artikels: Wenn du nur das Symptom kennst, kennst du nicht die Ursache, und wenn du die Ursache nicht kennst, kannst du nicht gezielt behandeln.

2. Die Kotflora-Untersuchung: was sie misst und was nicht

Wie die Kultur funktioniert

Bei der klassischen Kotflora-Untersuchung werden Bakterien aus dem Kot im Labor auf Nährböden angezüchtet. Nach einer bestimmten Zeit werden die gewachsenen Kolonien gezählt und den einzelnen Bakteriengruppen zugeordnet. Im Befund siehst du dann Zahlen mit der Einheit KBE pro Gramm, also koloniebildende Einheiten, und daneben einen Referenzbereich.

Wo ihre Grenzen liegen

Das klingt nach einem genauen Bild der Darmflora, ist es aber nicht. Der größte Teil der Darmbakterien lebt ohne Sauerstoff und verträgt Sauerstoff überhaupt nicht. Viele dieser Bakterien lassen sich im Labor gar nicht oder nur sehr schwer anzüchten. Was du im Befund siehst, ist deshalb nur der Teil der Darmflora, der im Labor wächst, und nicht die Darmflora deines Hundes in ihrer Gesamtheit.

Dazu kommt, dass die Ergebnisse zwischen verschiedenen Laboren stark schwanken können. In einer Studie aus dem Jahr 2021 haben Werner und Kolleg:innen Kotproben von Hunden mit chronischem Durchfall und von gesunden Hunden an drei verschiedene Labore geschickt. Die Ergebnisse der Labore stimmten kaum überein, und keine der drei Kulturen konnte die kranken von den gesunden Hunden unterscheiden.

Das ist ein deutliches Ergebnis, und ich nehme es ernst. Eine Kotflora-Untersuchung allein ist keine Diagnose. Wer aus einem einzelnen Kulturbefund ableitet, dass bestimmte Bakterien „fehlen“ und deshalb zugefüttert werden müssen, liest mehr hinein, als die Untersuchung hergibt.

Was sie trotzdem liefern kann

Warum nutze ich die Kultur dann überhaupt? Weil sie mir im Zusammenhang mit den anderen Werten Hinweise gibt, die ich in meiner Praxis über viele Jahre als nützlich erlebt habe. Ich schaue dabei nicht auf einzelne Bakterien und ihre exakten Zahlen, sondern auf die grundsätzliche Richtung. Machen sich Keime breit, die dort eher ungünstig sind? Überwiegen Bakterien, die Eiweiß abbauen, oder solche, die Kohlenhydrate vergären? Passt dieses Bild zur Fütterung des Hundes?

Dazu kommt der pH-Wert des Kots, der unabhängig von der Anzucht gemessen wird. Er gibt einen Hinweis darauf, welche Gärungsvorgänge im Dickdarm überwiegen. Bei viel Eiweiß und Fäulnisprozessen steigt er eher an, bei vielen vergärbaren Kohlenhydraten sinkt er eher ab. Außerdem zeigt die Kultur Pilze wie Candida oder Geotrichum und die Bakterien, die Histamin bilden können. Gerade bei Hunden, die auf ihr Futter mit Juckreiz oder Hautproblemen reagieren, ist das eine wichtige Information.

Was du dabei im Hinterkopf behalten musst: Diese Hinweise sind Erfahrungswerte und keine wissenschaftlich abgesicherte Diagnose. Sie sind für mich ein Puzzleteil, das ich immer mit den anderen Werten, der Fütterung und der Krankengeschichte abgleiche. Allein würde ich damit keine Behandlung begründen.

3. Der Dysbiose-Index: was er misst und was nicht

Was er misst

Der Dysbiose-Index ist ein neueres Verfahren. Hier werden keine Bakterien angezüchtet, sondern ihr Erbgut wird direkt im Kot gemessen. Dadurch erfasst der Test auch Bakterien, die sich im Labor nicht anzüchten lassen. Gemessen werden sieben ausgewählte Bakteriengruppen und die Gesamtzahl der Bakterien, und daraus wird eine einzige Zahl berechnet. Liegt sie im negativen Bereich, gilt die Darmflora als unauffällig, zwischen 0 und 2 spricht man von einer mäßigen Verschiebung, über 2 von einer deutlichen.

Nicht jeder Dysbiose-Screen ist gleich

Wenn du schon einmal einen Dysbiose-Befund gesehen hast und die Zahlen nicht zu dieser Einteilung passen, liegt das nicht an dir. Der hier beschriebene Index wurde an der Texas A&M University entwickelt und wissenschaftlich überprüft. Daneben bieten verschiedene Labore eigene Dysbiose-Screens an, die mit anderen Markerbakterien arbeiten und ihren Wert nach einem eigenen Rechenweg ermitteln.

Häufig begegnet dir dabei der sogenannte Intestinal-Score. Er fasst die Abweichungen der gemessenen Bakteriengruppen ebenfalls in einer Zahl zusammen, rechnet aber genau andersherum. Der Score liegt zwischen 0 und 10, und je höher er ist, desto weniger Abweichungen gibt es. Werte zwischen 8,5 und 10 gelten als unauffällig, Werte zwischen 7 und 8,5 als mäßig verändert bis grenzwertig, und Werte unter 7 weisen auf eine deutliche Verschiebung hin. Beim Dysbiose-Index der Texas A&M University ist es umgekehrt, dort steht ein hoher Wert für eine stärkere Verschiebung.

Die beiden Werte lassen sich deshalb nicht miteinander vergleichen. Wenn du einen Befund vor dir hast, schau immer, welcher Test gemacht wurde und welche Einteilung das Labor dazu angibt. Und wenn du eine Untersuchung zur Verlaufskontrolle wiederholen lässt, dann beim selben Labor mit demselben Test.

Der Dysbiose-Index der Texas A&M University ist gut reproduzierbar, und in der oben genannten Studie konnte er im Gegensatz zur Kultur zwischen kranken und gesunden Hunden unterscheiden. Das ist ein klarer Vorteil.

Was er nicht sagt

Der Dysbiose-Index sagt dir, dass die Darmflora verschoben ist und wie stark. Er sagt dir aber nicht, warum. Eine Verschiebung kann die Folge einer Darmentzündung sein, einer Antibiotikagabe, einer schwachen Bauchspeicheldrüse oder der Fütterung. Bei roh gefütterten Hunden liegt der Wert häufig höher, ohne dass sie krank sind. Und ein unauffälliger Wert bedeutet nicht, dass der Darm gesund ist.

Ein Beispiel macht das deutlich. Eine der sieben Bakteriengruppen ist Peptacetobacter hiranonis (früher bekannt als Clostridium hiranonis). Dieses Bakterium wandelt im Dickdarm Gallensäuren um. Fehlt es, ist das ein Hinweis darauf, dass im Gallensäurestoffwechsel etwas nicht stimmt. Wo das Problem liegt, ob im Dünndarm, bei der Fettverdauung oder in der Darmflora selbst, sagt dir der Wert aber nicht.

Für die Behandlung heißt das: Ein Dysbiose-Index bestätigt, dass ein Problem besteht, gibt aber kaum eine Richtung vor. Deshalb stehen unter vielen Befunden auch sehr allgemeine Behandlungsempfehlungen, die bei jedem Hund mit verschobener Darmflora gleich aussehen. Das sind sinnvolle Basismaßnahmen, aber keine Darmsanierung, die auf die Ursachen des einzelnen Hundes zugeschnitten ist.

4. Kultur und Dysbiose-Index im Vergleich

Beide Verfahren haben Stärken und Grenzen, und es lohnt sich, sie nebeneinanderzulegen, statt das eine gegen das andere auszuspielen.

Kotflora-Untersuchung (Kultur)Dysbiose-Index
Was gemessen wirdBakterien und Pilze, die im Labor wachsenErbgut von sieben Bakteriengruppen und Gesamtbakterienzahl
Was erfasst wirdNur der anzüchtbare Teil der DarmfloraAuch nicht anzüchtbare Bakterien, aber nur diese sieben Gruppen
PilzeJaNein
Histaminbildende BakterienJaNein
Lebende oder abgestorbene BakterienNur lebende, vermehrungsfähigeAuch abgestorbene, weil Erbgut gemessen wird
WiederholbarkeitGroße Unterschiede zwischen LaborenGut reproduzierbar
Unterscheidung krank und gesundIn der Studie nicht möglichMöglich, aber nicht bei jedem Hund
Aussage über die UrsacheKeineKeine

Die letzte Zeile ist die wichtigste. Weder die Kultur noch der Dysbiose-Index sagen dir, warum dein Hund Beschwerden hat. Beide beschreiben, wie es in der Darmflora aussieht, der eine genauer, der andere mit mehr Zusatzinformationen. Für die Frage nach der Ursache brauchst du andere Werte.

5. Was die Schleimhautwerte zeigen

Die Darmflora ist nur ein Teil des Bildes. Mindestens genauso wichtig ist, in welchem Zustand die Darmschleimhaut ist und wie gut die Verdauung funktioniert. Dafür gibt es Werte, die im Kot gemessen werden und die jeweils eine konkrete Frage beantworten. Ich setze nicht bei jedem Hund alle ein, denn jeder zusätzliche Wert kostet Geld. Welche ich auswähle, hängt davon ab, was die Vorgeschichte und die Symptome nahelegen.

Liegt eine Entzündung vor?

Calprotectin ist ein Eiweiß, das von bestimmten weißen Blutkörperchen freigesetzt wird, wenn sie in die Darmschleimhaut einwandern. Ein erhöhter Wert im Kot zeigt eine Entzündung im Darm an. Calprotectin ist beim Hund gut untersucht und wird auch in der Tiermedizin bei chronischen Darmerkrankungen eingesetzt.

PMN-Elastase ist ein Enzym aus denselben weißen Blutkörperchen. Vielleicht fragst du dich, warum ich zwei Werte messe, die beide eine Entzündung anzeigen. Der Grund ist, dass sich die beiden auf dem Weg durch den Darm unterschiedlich verhalten. Calprotectin ist sehr stabil und kommt auch dann noch weitgehend unverändert im Kot an, wenn die Entzündung weiter oben im Darm sitzt. Die PMN-Elastase wird während der Darmpassage stärker von Bakterien abgebaut. Je länger der Weg von der Entzündung bis zum Enddarm ist, desto weniger davon ist im Kot noch nachweisbar.

Aus dem Zusammenspiel beider Werte lese ich deshalb einen Hinweis darauf, wo die Entzündung sitzen könnte. Sind beide erhöht, spricht das eher für eine Entzündung im Dickdarm oder für eine ausgedehnte Entzündung. Ist nur das Calprotectin erhöht und die PMN-Elastase unauffällig, liegt der Gedanke nahe, dass die Entzündung weiter oben sitzt und die PMN-Elastase unterwegs abgebaut wurde. Das ist eine Einschätzung aus der Erfahrung und keine sichere Lokalisation. Für die Behandlung ist dieser Hinweis trotzdem wertvoll, weil ein entzündeter Dünndarm andere Unterstützung braucht als ein entzündeter Dickdarm. Dazu kommt, dass zwei unabhängig gemessene Werte, die in dieselbe Richtung zeigen, mehr Sicherheit geben als ein einzelner.

Was du dabei im Hinterkopf behalten musst: Bei sehr wässrigem Kot können beide Werte trotz Entzündung im Normbereich liegen, weil sie durch die Flüssigkeit verdünnt werden. Und die Zusammenhänge zum Abbau im Darm stammen aus der Humanmedizin, beim Hund sind sie kaum untersucht.

Verliert der Darm Eiweiß?

Alpha-1-Antitrypsin ist ein Eiweiß aus dem Blut, das normalerweise nicht in den Darm gelangt. Taucht es vermehrt im Kot auf, verliert der Hund Eiweiß über eine geschädigte Darmschleimhaut. Das ist ein wichtiger Hinweis auf eine ernstere Schädigung und gut untersucht.

Wie steht es um die Darmbarriere?

Zonulin ist ein Eiweiß, das an der Regulation der Verbindungen zwischen den Darmzellen beteiligt ist. Ein erhöhter Wert gilt als Hinweis auf eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand. Die Studienlage beim Hund ist dünn, und die Messmethoden werden in der Fachwelt diskutiert. In meiner Praxis hat sich der Wert im Zusammenhang mit den anderen Befunden aber bewährt, und eine durchlässige Darmwand ist für mich ein zentrales Thema, weil sie sowohl Folge bestimmter Erkrankungen sein kann als auch Ursache neuer Probleme.

Wie arbeitet die Abwehr der Schleimhaut?

Sekretorisches IgA ist ein Antikörper, den die Darmschleimhaut als erste Abwehrlinie bildet. Ich setze ihn vor allem bei Hunden mit allergischem Geschehen ein, weil er einen Hinweis darauf gibt, ob die Abwehr der Schleimhaut geschwächt oder überaktiv ist. Auch hier ist die Studienlage beim Hund begrenzt.

Wie gut funktioniert die Verdauung?

Canine Elastase 1 ist ein Verdauungsenzym der Bauchspeicheldrüse. Ein niedriger Wert im Kot ist ein Hinweis darauf, dass die Bauchspeicheldrüse zu wenig Enzyme liefert. Bei einem auffälligen Wert sollte das über eine Blutuntersuchung beim Tierarzt abgesichert werden, denn das ist bei einer möglichen Bauchspeicheldrüsenschwäche die entscheidende Untersuchung.

Ein niedriger Wert muss aber nicht bedeuten, dass die Bauchspeicheldrüse selbst krank ist. Sie gibt ihre Enzyme nicht ständig ab, sondern auf ein Signal hin. Dieses Signal kommt aus der Schleimhaut des oberen Dünndarms: Sobald Nahrungsbrei dort ankommt, bildet die Schleimhaut Botenstoffe, die der Bauchspeicheldrüse melden, dass sie Verdauungssäfte liefern soll. Ist die Dünndarmschleimhaut entzündet, bildet sie weniger dieser Botenstoffe, und die Bauchspeicheldrüse gibt weniger Enzyme ab, obwohl sie eigentlich gesund ist. In der Humanmedizin ist das zum Beispiel bei Zöliakie gut beschrieben, beim Hund ist es kaum untersucht, in meiner Praxis sehe ich dieses Muster aber sehr häufig. Für die Behandlung macht das einen großen Unterschied. Liegt das Problem in der Bauchspeicheldrüse selbst, braucht der Hund Unterstützung bei der Verdauungsleistung. Ist sie nur zu wenig angeregt, muss zuerst die Entzündung im Dünndarm behandelt werden. Von außen kannst du das nicht unterscheiden, erst die Kombination mit den Entzündungswerten gibt hier einen Hinweis.

Werden die Gallensäuren wieder aufgenommen?

Gesamtgallensäuren im Kot zeigen, ob vermehrt Gallensäuren ausgeschieden werden. Die Leber bildet Gallensäuren, sie gelangen mit der Galle in den Dünndarm und helfen dort, Fett zu verdauen. Danach werden sie im letzten Abschnitt des Dünndarms zum größten Teil wieder aufgenommen und zur Leber zurückgebracht, sodass der Körper sie immer wieder verwenden kann. Ein erhöhter Wert im Kot zeigt deshalb zuerst einmal, dass diese Wiederaufnahme nicht richtig funktioniert. Das kann an einer Entzündung im hinteren Dünndarm liegen, an einer zu schnellen Darmpassage oder an einer Fehlbesiedlung im Dünndarm.

Die Folgen zeigen sich an zwei Stellen. Gallensäuren, die in den Dickdarm gelangen, reizen dort die Schleimhaut und ziehen Wasser in den Darm, was zu wässrigem Durchfall führen kann. Und wenn über längere Zeit viele Gallensäuren verloren gehen, kann der Vorrat irgendwann nicht mehr ausreichen, und dann leidet auch die Fettverdauung. Die gestörte Fettverdauung ist also eine mögliche Folge, nicht das, was der Wert selbst anzeigt.

6. Wie ich einen Befund lese

Ein Befund liefert Fragen, keine Antworten

Der wichtigste Satz zu diesem Thema ist für mich: Ein Befund liefert Fragen, keine fertigen Antworten. Wenn die Kultur einen erhöhten pH-Wert und viele eiweißabbauende Keime zeigt, frage ich mich, ob die Fütterung sehr eiweißreich ist oder ob das Eiweiß nicht richtig verdaut wird und deshalb im Dickdarm landet. Dann schaue ich auf die Elastase. Ist sie unauffällig, liegt der Gedanke an die Fütterung nahe. Ist die Elastase niedrig, schaue ich auf die Entzündungswerte. Sind sie unauffällig, steht die Bauchspeicheldrüse selbst im Vordergrund. Sind sie erhöht, kann die niedrige Elastase auch die Folge einer Entzündung im Dünndarm sein. In beiden Fällen würde eine Futterumstellung allein das Problem nicht lösen.

Wenn das Calprotectin erhöht ist, weiß ich, dass eine Entzündung vorliegt. Ob sie die Ursache der Beschwerden ist oder die Folge von etwas anderem, sagen mir die anderen Werte und die Vorgeschichte. Ist das Alpha-1-Antitrypsin ebenfalls erhöht, ist die Schleimhaut stärker geschädigt, und der Hund gehört zur weiteren Abklärung in die Tierarztpraxis.

Erst wenn mehrere Puzzleteile zusammenpassen, die Werte, die Fütterung, die Symptome und die Krankengeschichte, wird daraus eine Behandlung. Und genau das ist der Punkt, an dem die einzelnen Untersuchungen ihren Wert bekommen: nicht für sich allein, sondern im Zusammenhang.

Zurück zu den beiden Hunden

Beim ersten Hund aus der Einleitung zeigen Calprotectin und PMN-Elastase eine Entzündung, und die Kultur passt zu einer Fütterung, die für einen gereizten Darm zu schwer verdaulich ist. Hier steht die Beruhigung der Schleimhaut im Vordergrund, zusammen mit einer angepassten Fütterung. Beim zweiten Hund ist die Elastase niedrig, und die Entzündungswerte sind unauffällig, das Problem liegt also vermutlich in der Bauchspeicheldrüse selbst. Hier hilft kein Probiotikum, solange die Verdauungsleistung nicht unterstützt wird, und die Tierarztpraxis muss die Bauchspeicheldrüse genauer abklären. Zwei Hunde mit denselben Symptomen, zwei völlig unterschiedliche Wege.

7. Warum nicht einfach nach Symptomen behandeln?

Wann das ein guter Start ist

Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, dass jeder Hund mit weichem Kot sofort eine umfangreiche Untersuchung braucht. Wenn dein Hund zum ersten Mal leichte Beschwerden hat, etwa nach einer Futterumstellung oder einem stressigen Erlebnis, ist es völlig in Ordnung, erst einmal nach Symptomen vorzugehen, die Fütterung anzuschauen und abzuwarten, wie sich das entwickelt. Und eine Untersuchung auf Parasiten gehört bei Verdauungsbeschwerden ohnehin dazu.

Was bei chronischen Beschwerden passiert

Anders sieht es aus, wenn die Beschwerden immer wiederkommen oder schon vieles nicht geholfen hat. Wer dann nur das Symptom kennt, hat zwei Möglichkeiten. Entweder behandelt er alle möglichen Ursachen gleichzeitig, also Entzündung, Barriere, Verdauungsleistung und Darmflora auf einmal. Das ist teuer, der empfindliche Darm bekommt viele Mittel gleichzeitig, und am Ende weiß niemand, was geholfen hat. Oder er probiert die Möglichkeiten nacheinander aus. Das dauert lange, oft viele Monate, und der Hund hat in dieser Zeit weiter Beschwerden.

Dazu kommt ein Punkt, der oft übersehen wird. Ohne Ausgangswerte weißt du nicht, wann du die Behandlung beenden kannst. Ist die Schleimhaut wieder in Ordnung, oder sind nur die Symptome gerade ruhig? Eine Kontrolluntersuchung im Verlauf beantwortet diese Frage, und das kann eine Behandlung auch verkürzen, weil du nicht länger behandelst als nötig.

Wenn du das zusammenrechnest, ist eine Untersuchung, die von Anfang an zeigt, wo du ansetzen musst, bei chronischen Beschwerden oft nicht teurer als monatelanges Ausprobieren, und deinem Hund bleibt viel erspart.

8. Wann sich eine Untersuchung lohnt

Eine Kotuntersuchung mit Schleimhautwerten lohnt sich vor allem dann, wenn

  • die Verdauungsbeschwerden länger als einige Wochen anhalten oder immer wiederkehren,
  • schon verschiedene Maßnahmen ausprobiert wurden und nicht dauerhaft geholfen haben,
  • dein Hund nach einer längeren Antibiotikagabe nicht wieder in Tritt kommt,
  • neben den Verdauungsbeschwerden auch Juckreiz, Hautprobleme oder Gewichtsverlust bestehen,
  • du nach einer Behandlung überprüfen möchtest, ob sich die Werte wirklich verbessert haben.

Welche Werte dabei sinnvoll sind, hängt vom einzelnen Hund ab. Nicht jeder braucht alles, und eine gute Auswahl spart Geld, ohne dass wichtige Informationen fehlen.

Fazit

Keine einzelne Untersuchung sagt dir, was deinem Hund fehlt. Eine Kotflora-Untersuchung allein liefert keine Diagnose, und auch der Dysbiose-Index zeigt nur, dass die Darmflora verschoben ist, nicht warum. Wer aus einem dieser Befunde allein eine Behandlung ableitet, behandelt im Grunde wieder nach Symptomen, nur mit einem Laborzettel in der Hand.

Ihren Wert bekommen beide Untersuchungen im Zusammenhang mit den Schleimhautwerten, der Fütterung und der Krankengeschichte deines Hundes. Erst dann lässt sich unterscheiden, ob eine Entzündung, eine geschwächte Verdauungsleistung, eine durchlässige Darmwand oder die Fütterung im Vordergrund steht, und erst dann kannst du gezielt behandeln. Rausgeschmissenes Geld ist eine Kotuntersuchung also nicht, wenn sie richtig zusammengestellt und richtig gelesen wird.

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