Es ist Mittwochmorgen, dein Hund hat Durchfall, und die erste Frage, die du dir stellst, lautet: Was hat er gestern gefressen? Meistens ist schnell etwas gefunden. Es war der neue Kauartikel, den du am Dienstag zum ersten Mal gegeben hast, oder die Leberwurst, in der die Tablette versteckt war. Du lässt ihn weg, der Kot wird wieder fest, und die Sache scheint geklärt. Zwei Wochen später geht es aber von vorn los, obwohl der Kauartikel längst aus dem Haus ist.

Ich erlebe das immer wieder. Halter:innen verdauungsempfindlicher Hunde sind in der Regel sehr aufmerksam, sie wissen genau, was im Napf gelandet ist, und trotzdem kommen sie nicht dahinter, warum der Darm immer wieder aus dem Takt gerät. Häufig liegt das an zwei Dingen, die übersehen werden. Der Darm reagiert nicht immer sofort, sondern oft erst Tage später. Außerdem ist das Futter nur einer von vielen möglichen Auslösern. Vielleicht gab es am Sonntag die Wurmkur, am Montag war Besuch da, der den ganzen Nachmittag geblieben ist, und beim Spaziergang hat dein Hund aus einer Pfütze getrunken. All das kann eine Rolle spielen, und nichts davon steht in einem Tagebuch, in dem nur die Futtermengen notiert werden.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du ein Futtertagebuch so führst, dass solche Zusammenhänge sichtbar werden, was du dafür aufschreiben solltest und wie du es anschließend auswertest. Wenn dein Hund krank ist, ersetzt ein Tagebuch keine Diagnose. Es liefert dir und deiner Tierärzt:in oder Therapeut:in aber Beobachtungen, die man aus dem Gedächtnis nie so genau zusammenbekommen würde.

1. Warum „gestern“ oft der falsche Tag ist

Stell dir vor, dein Hund verträgt kein Huhn, und du weißt das auch. Am Samstag seid ihr auf dem Hundeplatz, und die Trainerin verteilt zur Belohnung Leckerli an alle Hunde. Was drin ist, fragt in dem Moment niemand, und genau dort ist Huhn enthalten. Am Samstagabend und am Sonntag ist alles unauffällig. Am Montagmorgen hat dein Hund dann weichen Kot mit Schleimauflagen und schmatzt auffällig oft. Wenn du jetzt nur auf den Sonntag schaust, findest du nichts, und im schlimmsten Fall verdächtigst du das Futter, das er seit Wochen gut verträgt.

Mal am selben Tag, mal erst Tage später

Wie schnell sich etwas zeigt, hängt davon ab, was dahintersteckt. Bekommt dein Hund etwas Ungewohntes, sehr Fettes oder einfach zu viel davon, merkst du das meistens am selben oder am nächsten Tag. Der Nahrungsbrei braucht beim Hund etwa einen Tag durch den Magen-Darm-Trakt, mit großen Unterschieden je nach Futter und Tier. Was im Dünndarm nicht richtig verdaut wurde, kommt im Dickdarm an, wird dort von Bakterien zersetzt, und es entstehen Blähungen oder weicher Kot.

Verträgt dein Hund dagegen ein bestimmtes Futtermittel nicht, kann es länger dauern, weil sich die Reaktion im Körper erst aufbauen muss. Magen-Darm-Beschwerden treten dann oft ein bis drei Tage später auf, Juckreiz oder Pfotenlecken manchmal noch später. Andere Hunde reagieren dafür schon nach wenigen Stunden.

Aus der Geschwindigkeit allein kannst du also nicht ablesen, woran es liegt, und das musst du beim Tagebuchführen auch nicht. Deine Aufgabe ist erst einmal nur, alles aufzuschreiben. Das Einordnen kommt später.

Auch Stress und Medikamente wirken verzögert

Auch Stress wirkt häufig mit Verzögerung. Viele Hunde mit empfindlichem Darm reagieren nicht in der aufregenden Situation selbst, sondern erst danach. Ein Antibiotikum kann die Darmflora noch Tage nach der letzten Tablette beeinflussen, und nach einer Wurmkur reagieren manche Hunde erst am Folgetag oder am Tag danach.

Was das für dein Tagebuch bedeutet

Für dein Tagebuch bedeutet das, dass du es rückwärts lesen musst. Wenn ein Symptom auftritt, schaust du dir nicht nur den Vortag an, sondern mindestens die zwei bis drei Tage davor, bei Hautsymptomen auch weiter zurück. Was war dort anders als sonst? Wie du dabei vorgehst, ohne voreilige Schlüsse zu ziehen, erkläre ich dir in Kapitel 4.

2. Was alles als Auslöser infrage kommt

Wenn ich frage, was ein Hund zu fressen bekommt, höre ich oft: „Nur sein Futter, sonst nichts.“ Fragt man dann genauer nach, sieht es meistens anders aus. Die Tablette gibt es morgens in einem Klecks Leberwurst, abends bekommt er einen Kauartikel, die Nachbarin hat immer ein Leckerli in der Tasche, und beim Spaziergang frisst er gern Pferdeäpfel. Nichts davon wird als Futter wahrgenommen, und genau deshalb taucht es in kaum einem Tagebuch auf.

Dazu kommen Auslöser, die mit Fressen gar nichts zu tun haben. Damit du beim Aufschreiben nichts übersiehst, habe ich die häufigsten in Gruppen zusammengefasst.

Alles, was gefressen wird, auch außerhalb des Napfs

Dazu gehören Leckerli, Kauartikel, Zahnpflegesnacks, alles, worin Tabletten versteckt werden, Reste vom Tisch und alles, was dein Hund unterwegs findet. Auch Gras gehört dazu, vor allem wenn er größere Mengen frisst, und Wasser aus Pfützen, Teichen oder Bächen. Darin können Keime oder Parasiten wie Giardien stecken, die einen empfindlichen Darm schnell aus dem Gleichgewicht bringen.

Medikamente und tierärztliche Maßnahmen

Antibiotika verändern die Darmflora, das ist bekannt. Aber auch Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAIDs, zu der zum Beispiel Meloxicam gehört, können die Magenschleimhaut reizen. Wurmkuren und Mittel gegen Zecken und Flöhe führen bei manchen Hunden zu Erbrechen oder weichem Kot. Nach einer Impfung sind einige Hunde für ein bis zwei Tage matt oder fressen schlechter. Das heißt nicht, dass du auf diese Mittel verzichten sollst. Es heißt nur, dass sie ins Tagebuch gehören, damit du eine Reaktion nicht fälschlicherweise dem Futter zuordnest.

Stress und besondere Ereignisse

Bei vielen Hunden mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt schlägt Stress direkt auf den Darm. Das gilt für offensichtliche Belastungen wie Tierarztbesuche, einen Aufenthalt in der Hundepension, Silvester, einen Umzug oder einen neuen Hund im Haushalt. Es gilt aber auch für Dinge, die wir gar nicht als Stress empfinden, wie Besuch, lange Autofahrten, einen langen Ausflug, ein intensives Training oder eine unangenehme Begegnung mit einem anderen Hund. Auch wenn dein Hund während der Fahrt ruhig in seiner Box liegt, kann sie ihn mehr anstrengen, als man ihm ansieht. Bei Hündinnen spielt die Läufigkeit eine Rolle, und Rüden fressen oft schlechter und sind unruhig, wenn in der Nachbarschaft eine Hündin läufig ist.

Umgebung und Jahreszeit

An heißen Tagen fressen viele Hunde weniger und trinken mehr, und bei Hunden mit einer Umweltallergie verstärkt der Pollenflug den Juckreiz. Frisch gedüngte Felder und Wiesen laden manche Hunde zum Fressen oder Wälzen ein. Wenn es um Hautreaktionen geht, lohnt auch ein Blick auf neue Waschmittel für die Hundedecke oder ein neues Putzmittel für den Boden.

Die Fütterung selbst

Auch beim eigentlichen Futter lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Ein neuer Sack derselben Sorte kann sich vom vorherigen unterscheiden, weil Hersteller ihre Rezepturen ändern oder die Rohstoffe schwanken. Deshalb ist es sinnvoll, die Chargennummer zu notieren. Außerdem spielen die Uhrzeit und die Menge eine Rolle. Manche Hunde erbrechen morgens gelben Schaum, wenn zwischen der letzten und der ersten Mahlzeit zu viel Zeit liegt. Und einige empfindliche Hunde vertragen Futter, das direkt aus dem Kühlschrank kommt, schlechter als zimmerwarmes.

Du musst nicht jede dieser Möglichkeiten täglich durchgehen. Es geht darum, dass du einen Blick dafür bekommst, was alles eine Rolle spielen kann, damit du es aufschreibst, wenn es passiert.

3. Was du notieren solltest

So sieht ein typischer Eintrag in vielen Futtertagebüchern aus:

Dienstag: Futter wie immer, nachmittags Durchfall.

Das ist gut gemeint, hilft bei der Suche nach dem Auslöser aber kaum weiter. Vergleiche das einmal mit diesem Eintrag:

Dienstag, 7 Uhr: 150 g Futter, neuer Sack. Tablette in Leberwurst.
11 Uhr: Spaziergang am See, hat viel aus dem See getrunken.
15 Uhr: Kauartikel. 18 Uhr: 150 g Futter.
Ab 16 Uhr Besuch,
Hund bis zum Abend unruhig.
Kot morgens geformt, abends breiig mit Schleim. Nachts zweimal geschmatzt und im Garten Gras gefressen.

Das gehört in einen Eintrag

Der zweite Eintrag kostet dich zwei Minuten mehr, aber wenn du ihn in ein paar Tagen rückwärts liest, hast du plötzlich mehrere Spuren statt einer. Damit dir das leichter fällt, sind hier die Punkte, die in einen Tagebucheintrag gehören:

  • Fütterung: alle Mahlzeiten mit Menge und Uhrzeit, und wenn ein neuer Sack oder eine neue Dose angebrochen wird, auch die Chargennummer
  • Leckerli: dazu gehören auch Kauartikel, Tablettenverstecker und alles, was dein Hund unterwegs gefressen hat
  • Magensymptome: Schmatzen, Schlecken, Grasfressen, Gähnen, Schlucken, Aufstoßen, Appetitlosigkeit, Maulgeruch oder Anzeichen von Bauchschmerzen
  • Kot: Konsistenz, Menge, Schleim und wie oft, außerdem ob Blut dabei war oder die Farbe ungewöhnlich war
  • Erbrechen und Juckreiz: wann, wie oft und wie es aussah bzw. wo sich dein Hund gekratzt oder beleckt hat
  • Medikamente: auch Wurmkuren, Mittel gegen Zecken und Flöhe und Impfungen
  • Besondere Ereignisse: Hier gehört alles hinein, was an diesem Tag anders war als sonst, also Besuch, Autofahrten, Training, Hitze, ein Tierarztbesuch, eine unruhige Nacht oder die Stimmung deines Hundes. Dieser Punkt wird am häufigsten vergessen, dabei steckt dort oft der entscheidende Hinweis.

Beschreiben statt deuten

Beim Aufschreiben ist eine Sache wichtig, die oft falsch gemacht wird. Schreib auf, was du siehst, und nicht, was du vermutest. „Kot breiig mit Schleim“ ist eine Beobachtung, „Magen verdorben“ ist bereits eine Deutung. Wenn du beim Schreiben schon eine Erklärung festlegst, suchst du beim Auswerten später nicht mehr offen nach anderen Zusammenhängen.

Auch die guten Tage aufschreiben

Genauso wichtig ist es, auch die guten Tage aufzuschreiben. Ein Eintrag wie „Kot geformt, frisst gut, ruhige Nacht“ wirkt unspektakulär, aber erst im Vergleich mit den guten Tagen erkennst du, was an den schlechten Tagen anders war.

Vorlagen zum Ausdrucken

Damit das nicht zur lästigen Pflicht wird, hilft eine feste Struktur, bei der du nicht jedes Mal überlegen musst, was alles dazugehört. Ich habe dir dafür zwei Vorlagen zusammengestellt, die du hier kostenlos als PDF herunterladen und so oft ausdrucken kannst, wie du sie brauchst. Die Wochenübersicht ist für jeden Tag gedacht, die ausführlichere Tagesseite für Zeiten, in denen du genauer hinschauen möchtest, etwa bei einer Futterumstellung. Wenn du lieber alles in einem Buch zusammen hast statt einzelner Zettel, findest du mein Futtertagebuch hier.

4. So wertest du dein Tagebuch aus

Ich erzähle dir ein Beispiel, wie es mir in ähnlicher Form immer wieder begegnet. Lotta ist eine sechsjährige Mischlingshündin mit empfindlichem Darm. Ihre Halterin hat ihr an einem Sonntag zum ersten Mal einen neuen Kauartikel gegeben, und am Montag hatte Lotta Durchfall. Der Fall schien klar, der Kauartikel flog raus. Drei Wochen später hatte Lotta trotzdem wieder Durchfall, und zwei Wochen danach noch einmal.

Zum Glück hatte die Halterin in dieser Zeit ein Tagebuch geführt, auch an den guten Tagen. Als sie es rückwärts las und sich jeweils die zwei bis drei Tage vor dem Durchfall ansah, fiel ihr etwas auf, das mit dem Futter nichts zu tun hatte. Vor dem ersten Durchfall war Lotta übers Wochenende in einer Hundepension gewesen, und den Kauartikel hatte sie am Sonntag als Belohnung für die Rückkehr bekommen. Vor dem zweiten Durchfall war die ganze Familie zu einem Geburtstag zu Besuch gewesen. Vor dem dritten ist Lotta vier Stunden im Auto mitgefahren. Der Kauartikel war zufällig zur falschen Zeit im Napf, der eigentliche Auslöser war Aufregung.

Ein einzelner Vorfall ist noch kein Muster

An diesem Beispiel siehst du, worauf es bei der Auswertung ankommt. Ein einzelner Durchfall nach einem neuen Leckerli sagt noch nicht viel aus, denn es kann Zufall sein. Aussagekräftig wird es erst, wenn sich ein Zusammenhang wiederholt. Wenn du dreimal dieselbe Kombination findest, also einen bestimmten Auslöser und ein bis zwei Tage später dasselbe Symptom, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Die Wochenübersicht macht Wiederholungen sichtbar

Beim Suchen nach solchen Wiederholungen hilft dir die Wochenübersicht aus meinem kostenlosen Download. Weil dort jeder Tag nur eine Zeile hat, siehst du die Tage vor einem Symptom direkt untereinander und musst nicht durch einzelne Seiten blättern. Wenn du nach vier Wochen die Blätter nebeneinanderlegst, fallen dir Wiederholungen viel schneller ins Auge.

Wie lange du Tagebuch führen solltest

Damit sich solche Muster überhaupt zeigen können, brauchst du etwas Geduld. Führe dein Tagebuch mindestens vier Wochen lang, besser länger. Bei Hunden, die nur alle paar Wochen Beschwerden haben, reicht ein kürzerer Zeitraum oft nicht aus, um mehr als eine Episode zu erfassen.

Immer nur eine Sache auf einmal ändern

Wenn du einen Verdacht hast, verändere immer nur eine Sache auf einmal. Lässt du gleichzeitig den Kauartikel weg, stellst das Futter um und gibst ein neues Ergänzungsfuttermittel, weißt du am Ende nicht, was geholfen hat. Das gilt auch, wenn es deinem Hund dann besser geht.

Wenn du ein Muster gefunden hast

Und wenn du ein Muster gefunden hast, ist das nicht das Ende, sondern der Anfang. Bei Lotta hieß das, dass man vor absehbar aufregenden Tagen besonders schonend füttern und keine neuen Leckerli ausprobieren sollte. Mit ihrer Therapeut:in konnte die Halterin außerdem besprechen, wie sich Lottas Darm in solchen Phasen unterstützen lässt.

5. Wenn der Darm nie richtig zur Ruhe kommt

Manchmal kann es sein, dass du wochenlang Tagebuch führst, und zwar sehr gewissenhaft, und trotzdem nichts findest. Das liegt dann nicht an dir, sondern meistens daran, dass dein Hund fast jeden Tag Beschwerden hat. Vielleicht kennst du das: An den meisten Tagen ist der Kot breiig, mal etwas fester, mal etwas weicher, nachts schmatzt dein Hund immer wieder, und morgens frisst er Gras. In deiner Wochenübersicht steht in der Spalte für Symptome dann jeden Tag etwas. Wenn aber jeder Tag schlecht ist, hast du keinen guten Tag, mit dem du vergleichen kannst, und ein einzelner Auslöser geht in den ständigen Beschwerden unter.

Warum Stress gerade bei empfindlichen Hunden auf den Darm schlägt

Wenn dein Hund einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt hat, kennst du diesen Zustand wahrscheinlich gut. Ist die Darmschleimhaut gereizt oder die Darmflora aus dem Gleichgewicht, reagiert der Darm auf fast alles, auf ein Leckerli ebenso wie auf einen aufregenden Tag. Dass Stress dabei eine so große Rolle spielt, hat einen körperlichen Grund. Darm und Gehirn sind über Nerven und Botenstoffe eng miteinander verbunden. Bei Aufregung verändern Stresshormone die Darmbewegung und die Durchblutung der Darmschleimhaut, und ein ohnehin gereizter Darm gerät dadurch schneller aus dem Takt.

Erst Ruhe, dann weitersuchen

In dieser Situation hilft es dir nicht, weiter nach dem einen Auslöser zu suchen. Zuerst braucht der Darm deines Hundes Ruhe. Das bedeutet, dass du die Ursachen der Beschwerden abklären lassen solltest, wenn das noch nicht geschehen ist, und dass du für eine Weile möglichst gleichbleibend und schonend fütterst. Gib keine neuen Leckerli, keine wechselnden Kauartikel und keine neuen Ergänzungsfuttermittel, solange nicht klar ist, wofür dein Hund sie braucht. Welche Unterstützung er in dieser Phase braucht, besprichst du am besten mit deiner Tierärzt:in oder Therapeut:in.

Wofür dein Tagebuch in dieser Zeit trotzdem gut ist

Dein Tagebuch ist in dieser Zeit trotzdem nicht umsonst. Es zeigt dir, ob es langsam besser wird, und du kannst deiner Therapeut:in einen genauen Verlauf zeigen statt einer vagen Erinnerung. Das ist auch die Zeit, in der sich die ausführlichere Tagesseite lohnt. Wenn die Beschwerden dann weniger werden, beginnt der Teil, um den es in diesem Artikel geht. Sobald die meisten Tage ruhig sind, fällt dir ein schlechter Tag auf, und du kannst in deiner Wochenübersicht nachschauen, was davor war.

Wann dein Hund zur Tierärzt:in gehört

Wenn dein Hund Blut im Kot hat, mehrmals am Tag erbricht, nicht mehr frisst oder matt wirkt, bring ihn bitte zeitnah zur Tierärzt:in. Dein Tagebuch ist dann eine gute Unterlage für das Gespräch, aber kein Grund, mit dem Tierarztbesuch zu warten.

6. Typische Fehler beim Futtertagebuch

Manche Halter:innen erzählen mir, dass ihr Hund inzwischen nur noch zwei oder drei Futtermittel verträgt. Fragt man nach, wie sie darauf gekommen sind, stellt sich oft heraus, dass jedes gestrichene Futtermittel einmal vor einem schlechten Tag gefüttert wurde. Die Liste wurde also immer kürzer, ohne dass je geprüft wurde, ob das Futter wirklich der Auslöser war. Das ist einer der häufigsten Fehler, und es gibt noch ein paar weitere, die dir die Arbeit mit dem Tagebuch schwerer machen, als sie sein müsste.

Einzelne Ereignisse als Beweis nehmen

Ein schlechter Tag nach einem bestimmten Futter ist ein Hinweis, aber noch kein Beweis. Wenn du etwas nach einer einzigen Episode dauerhaft streichst, verlierst du vielleicht ein Futtermittel, das dein Hund eigentlich gut verträgt. Gerade bei empfindlichen Hunden, deren Speiseplan ohnehin schon eingeschränkt ist, ist das schade. Notiere dir den Verdacht und schau, ob sich der Zusammenhang wiederholt.

Sich schon vorher auf das Futter festlegen

Wer überzeugt ist, dass das Futter schuld ist, liest das Tagebuch anders. Man sucht dann nur noch in der Spalte für Futter und Leckerli und überliest, dass am Tag davor Besuch da war. Versuch deshalb, beim Auswerten jede Spalte gleich ernst zu nehmen.

Nicht alle im Haushalt einbeziehen

Wenn mehrere Personen deinen Hund füttern oder ihm zwischendurch etwas geben, fehlt ein Teil der Informationen. Sprich mit allen im Haushalt darüber, und leg die Wochenübersicht an einen Ort, an dem jede:r sie sieht, zum Beispiel an den Kühlschrank.

Tage später aus dem Gedächtnis nachtragen

Was du am selben Abend aufschreibst, stimmt. Was du drei Tage später nachträgst, ist oft schon ungenau, und gerade die kleinen Dinge wie ein Leckerli von der Nachbarin fallen dann weg.

Zu früh aufhören

Viele hören mit dem Tagebuch auf, sobald es dem Hund besser geht. Wenn die Beschwerden dann wiederkommen, fehlen genau die Aufzeichnungen, mit denen du hättest vergleichen können. Es lohnt sich, die Wochenübersicht auch in ruhigen Zeiten weiterzuführen, zumindest in knapper Form.

7. Fazit

Ein Futtertagebuch ist mehr als eine Liste mit Futtermengen. Wirklich hilfreich wird es erst, wenn du auch alles aufschreibst, was dein Hund nebenbei bekommt, welche Medikamente er erhält und was an einem Tag anders war als sonst. Und wenn Symptome auftreten, schaust du nicht nur auf gestern, sondern auf die Tage davor. Ob Stress, eine Autofahrt oder ein Leckerli vom Hundeplatz, der Auslöser liegt oft an einer Stelle, an der man ihn nicht vermutet hätte.

Damit dir das Eintragen im Alltag leichter fällt, noch ein Tipp aus der Praxis: Überleg dir Kürzel für die Dinge, die bei deinem Hund immer wieder vorkommen. Zum Beispiel D für Durchfall, E für Erbrechen, Sch für Schmatzen, G für Grasfressen, B für Besuch oder A für Autofahrt. Schreib dir die Kürzel einmal an den Rand deiner Wochenübersicht, damit auch alle anderen im Haushalt sie verstehen. So brauchst du abends für einen Tag oft nur ein paar Sekunden.

Und wenn du nach einigen Wochen ein Muster erkennst, hast du etwas in der Hand, mit dem du gezielt weiterarbeiten kannst, allein oder zusammen mit deiner Tierärzt:in oder Therapeut:in.

Hast du schon einmal einen Zusammenhang entdeckt, mit dem du nie gerechnet hättest? Schreib es mir gern in die Kommentare, solche Beobachtungen aus dem Alltag helfen anderen Halter:innen oft mehr als jeder Fachartikel.