In einer Hundegruppe schreibt jemand, dass gekochte Karotten den Durchfall ihres Hundes in zwei Tagen beruhigt haben. Du probierst es aus, und am Abend liegt dein Hund unruhig auf seiner Decke, der Bauch grummelt, und er lässt so viel Luft ab, dass du das Fenster öffnen musst. Hat die andere Halterin etwas falsch verstanden, oder machst du etwas falsch?

Wahrscheinlich keins von beidem. Fragen rund ums Futter kamen in meiner letzten Umfrage mit Abstand am häufigsten, und eine davon lautete: „Welche Gemüse sind bei welchen Problemen hilfreich oder eben nicht ratsam?“ Ich verstehe gut, warum man sich beim Thema Gemüse für Hunde eine klare Liste wünscht. Die gebe ich dir in diesem Artikel aber bewusst nicht, weil sie dich genau in die Situation von oben bringen würde. Was ich dir stattdessen zeige, ist, wovon es abhängt, ob ein Gemüse deinem Hund guttut, und warum bestimmte Sorten bei bestimmten Beschwerden eher helfen oder eher Ärger machen. Mengenangaben findest du hier keine, weil die sich nach deinem Hund und nach seiner gesamten Fütterung richten und sich pauschal nicht sinnvoll festlegen lassen.

1. Warum es das eine Gemüse gegen Durchfall nicht gibt

Gemüse liefert deinem Hund vor allem Ballaststoffe, und Ballaststoffe sind keine einheitliche Gruppe. Ich habe das im Artikel „Ballaststoffe als Steuerzentrale“ ausführlich beschrieben, deshalb hier nur das, was du für die Gemüsefrage brauchst.

Lösliche Ballaststoffe wie Pektin, das zum Beispiel in Karotten und Kürbis steckt, binden Wasser und bilden im Darm eine gelartige Masse. Außerdem werden sie im Dickdarm von den Darmbakterien vergoren. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, die den Zellen der Dickdarmschleimhaut als wichtigste Energiequelle dienen.

Unlösliche Ballaststoffe wie Cellulose werden kaum vergoren, warum das so ist, erkläre ich im nächsten Abschnitt. Sie bringen vor allem Volumen in den Darm und regen die Darmbewegung an. Das kann bei einem trägen Darm hilfreich sein, für einen gereizten Darm ist es oft zu viel Arbeit.

Und jetzt kommt der Punkt, an dem die einfache Liste scheitert: Die Vergärung, die für die Schleimhaut so wertvoll ist, erzeugt auch Gase. Ein gesunder Darm kommt damit gut zurecht. Ein Darm, dessen Bakteriengemeinschaft aus dem Gleichgewicht geraten ist oder dessen Schleimhaut gereizt ist, reagiert auf dieselbe Menge Gas mit Grummeln, Blähungen und manchmal mit weichem Kot. Dieselbe Karotte, die beim einen Hund den Kot festigt, kann beim anderen also genau das auslösen, was du vermeiden wolltest.

2. Was dein Hund aus Gemüse überhaupt herausholen kann

Vielleicht hast du schon einmal Karottenstücke im Kot deines Hundes gefunden, die fast genauso aussahen wie beim Füttern. Das liegt an der Cellulose, und um zu verstehen, warum die Zubereitung von Gemüse so viel ausmacht, lohnt sich ein genauerer Blick darauf.

Was Cellulose ist und warum dein Hund sie nicht verwerten kann

Jede Pflanzenzelle ist von einer festen Wand umgeben, und das Grundgerüst dieser Wand besteht aus Cellulose. Du kannst dir die Cellulose wie die Stahlstreben in einer Betonwand vorstellen: lange, sehr stabile Fasern, die der Pflanze Halt geben. Zwischen diesen Fasern liegen weitere Stoffe, darunter das Pektin, das die Zellen wie ein Kitt miteinander verbindet. Im Inneren der Zellen sitzt das, was dein Hund eigentlich aus dem Gemüse haben möchte, also Vitamine, Mineralstoffe und Stärke.

Cellulose ist aus Zuckerbausteinen aufgebaut, die so miteinander verknüpft sind, dass weder Hunde noch Menschen ein Enzym besitzen, das diese Verbindung lösen kann. Das können nur bestimmte Mikroorganismen. Rinder und Pferde nutzen genau das, sie beherbergen in ihrem Pansen oder in ihrem großen Dickdarm riesige Mengen solcher Mikroben und leben zu einem guten Teil von Cellulose. Der Hund hat einen kurzen Dickdarm, durch den der Inhalt vergleichsweise schnell hindurchwandert, und seine Darmbakterien vergären Cellulose nur in sehr geringem Umfang. Für ihn ist Cellulose deshalb ein Ballaststoff, der fast vollständig wieder ausgeschieden wird.

Warum Kochen und Pürieren den Unterschied machen

Schädlich ist das nicht. Das Problem ist, dass die Cellulosewand das Zellinnere einschließt. Solange die Zellwände intakt sind, kommen die Verdauungssäfte nicht an die Nährstoffe heran, und das Gemüsestück wandert einfach durch. Deshalb müssen die Zellwände aufgebrochen werden, und dafür gibt es zwei Wege, die sich gut ergänzen. Beim Kochen löst sich das Pektin, das die Zellen zusammenhält, das Gemüse wird weich, und viele Zellen platzen auf. Die Cellulose selbst wird durch Kochen nicht zerstört. Beim feinen Pürieren werden die Zellwände dagegen mechanisch zerrissen, und die Cellulosefasern werden in kleine Stücke zerteilt. Am Ende hat der Hund Zugang zum Zellinhalt, und die Cellulose ist zwar noch da, aber als feine Faser, die den Darm weit weniger reizt als ein grobes Stück.

Wo besonders viel Cellulose steckt

Nicht jedes Gemüse enthält gleich viel Cellulose. Viel davon steckt überall dort, wo die Pflanze Stabilität braucht, also in Stielen, Strünken, Blattrippen und Schalen. Je älter ein Gemüse ist, desto mehr Cellulose bildet es, und in holzigen Teilen kommt zusätzlich Lignin dazu, das noch widerstandsfähiger ist und überhaupt nicht vergoren wird. Typische Beispiele für cellulosereiches Gemüse sind Stangensellerie mit seinen Fäden, Brokkolistiele und Kohlstrünke, die Blattrippen von Mangold, der harte Strunk beim Fenchel und große, alte Karotten mit holzigem Kern. Wenig Cellulose enthalten dagegen junge, zarte Gemüse und das weiche Fruchtfleisch von Kürbis und Zucchini.

Wenn du auf einem Futteretikett die Angabe „Rohfaser“ liest, ist übrigens vor allem dieser Teil gemeint. Die Rohfaser erfasst in erster Linie Cellulose und Lignin, über die löslichen Ballaststoffe wie Pektin sagt sie fast nichts aus.

Auch die Schale macht deshalb einen Unterschied. Sie enthält besonders viel Cellulose, und bei Hunden mit gereiztem Darm lohnt es sich, Gemüse zu schälen und Stiele und Strünke wegzulassen. Bei einem Hund mit stabiler Verdauung ist das nicht nötig.

Die Moro’sche Karottensuppe

Die Zubereitung kann sogar die Wirkung verändern. Das bekannteste Beispiel ist die Moro’sche Karottensuppe, die der Kinderarzt Ernst Moro Anfang des 20. Jahrhunderts gegen Durchfall bei Säuglingen eingesetzt hat. Erst Jahrzehnte später wurde untersucht, warum sie wirkt: Beim langen Kochen zerfällt das Pektin der Karotte in kleine Zuckerbausteine, sogenannte Oligogalacturonsäuren. Diese besetzen im Labor die Andockstellen an der Darmschleimhaut, an denen sich sonst Durchfallerreger festsetzen, sodass die Erreger leichter ausgeschieden werden. Diese Untersuchungen stammen aus Laborversuchen mit menschlichen Zellen, Studien am Hund gibt es dazu nicht. Die Erfahrung in der Praxis zeigt aber, dass die Suppe vielen Hunden guttut. Wichtig ist, dass sie wirklich lange kocht, eine kurz gegarte Karotte hat diesen Effekt nicht.

3. Kartoffel und Süßkartoffel: botanisch Gemüse, im Napf etwas anderes

Bevor es um einzelne Beschwerden geht, muss ich eine Unterscheidung machen, die in vielen Ratgebern untergeht. Kartoffeln und Süßkartoffeln sind botanisch gesehen Gemüse. In der Hundefütterung gehören sie aber nicht zum Gemüseanteil, sondern zu den Kohlenhydraten, also in dieselbe Gruppe wie Reis oder Hirse.

Der Grund ist ihr hoher Stärkegehalt. Karotte, Zucchini oder Kürbis liefern vor allem Wasser und Ballaststoffe und kaum Energie. Kartoffel und Süßkartoffel liefern dagegen reichlich Kalorien. Wenn du sie als „Gemüse“ zusätzlich in den Napf gibst, fütterst du deinem Hund unbemerkt eine Menge Energie dazu, und das merkt man auf Dauer an der Figur.

Ihren Platz haben sie dort, wo der Hund Energie braucht, die nicht aus Fett kommen darf. Das ist zum Beispiel bei einer fettarmen Fütterung nach einer Bauchspeicheldrüsenentzündung oder bei manchen Magen-Darm-Problemen der Fall. Gekochte Kartoffeln haben sich in meiner Praxis außerdem bei vielen Hunden mit empfindlichem Magen bewährt. Das beruht auf Erfahrung, nicht auf Studien am Hund.

Warum Kartoffel und Süßkartoffel gekocht werden müssen

Wichtig ist bei beiden, dass sie gekocht werden. Rohe Stärke kann der Hund kaum aufschließen, sie landet unverdaut im Dickdarm und gärt dort. Bei der Kartoffel kommt das Solanin dazu, ein Stoff, der Magen und Darm reizt und in größeren Mengen giftig ist. Er steckt vor allem in grünen Stellen, Keimen und in der Schale. Schäle Kartoffeln deshalb und schneide grüne Stellen und Keime großzügig weg. Ein Teil des Solanins geht beim Kochen ins Wasser über, das Kochwasser solltest du deshalb nicht zum Anfeuchten des Futters verwenden. Die Süßkartoffel gehört zu einer ganz anderen Pflanzenfamilie und enthält kein Solanin, dafür aber Oxalsäure. Was das bedeutet und warum du auch hier das Kochwasser weggießt, erkläre ich in Kapitel 11.

4. Weicher Kot und Durchfall

Damit du verstehst, warum bestimmtes Gemüse hier hilft, schauen wir kurz darauf, was beim Durchfall passiert. Der Kot ist zu weich, weil zu viel freies Wasser im Darm ist. Entweder gibt die Darmschleimhaut zu viel Flüssigkeit ab, oder sie nimmt zu wenig wieder auf, und häufig wandert der Darminhalt zusätzlich so schnell durch, dass dem Dickdarm keine Zeit bleibt, das Wasser zurückzuholen.

Wie lösliche Ballaststoffe bei Durchfall wirken

Lösliche Ballaststoffe setzen an allen drei Punkten an. Das Pektin bindet das freie Wasser zu einem Gel, und der Kot bekommt dadurch wieder Form. Das Gel macht den Darminhalt zähflüssiger und bremst die Passage, sodass der Dickdarm mehr Zeit hat, Wasser aufzunehmen. Und die kurzkettigen Fettsäuren, die bei der Vergärung entstehen, versorgen die Dickdarmzellen mit Energie. Das ist wichtig, weil die Aufnahme dieser Fettsäuren an die Aufnahme von Natrium und Wasser gekoppelt ist. Eine gut versorgte Dickdarmschleimhaut holt also mehr Wasser aus dem Darminhalt zurück.

Welches Gemüse bei weichem Kot passt und welches nicht

Deshalb eignen sich bei weichem Kot vor allem gut gekochte und pürierte Karotten, gern als Moro’sche Suppe, außerdem Kürbis und Pastinake. Alle drei bringen viel Pektin mit und wenig grobe Faser.

Was du eher meiden solltest, ist alles Rohe, alles mit Schale und alles, was viel gärt, also Kohl und Hülsenfrüchte. Dazu kommt Gemüse mit vielen unlöslichen Fasern wie Stangensellerie, weil es die Darmbewegung zusätzlich antreibt, und das ist bei Durchfall genau das Falsche.

Was du dabei im Hinterkopf behalten musst: Gemüse beruhigt den Kot, es behandelt aber nicht die Ursache. Wenn der Durchfall länger als zwei, drei Tage anhält, wenn Blut dabei ist, dein Hund nicht frisst oder matt wirkt, gehört er in die Tierarztpraxis. Und wenn der Kot immer wieder weich wird, steckt meistens mehr dahinter, das kann zum Beispiel eine Dünndarmfehlbesiedlung oder ein Giardienbefall sein.

5. Harter Kot und Verstopfung

Vielleicht wunderst du dich jetzt, denn auch bei Verstopfung empfehle ich dir Gemüse mit löslichen, wasserbindenden Ballaststoffen, und wieder stehen Kürbis und Karotte ganz vorn. Das ist kein Fehler, und um das zu verstehen, lohnt sich wieder ein Blick darauf, was im Darm passiert.

Bei Verstopfung liegt der Kot zu lange im Dickdarm. Der Dickdarm tut, was er immer tut, und zieht Wasser aus dem Darminhalt heraus. Je länger der Kot dort liegt, desto mehr Wasser verliert er, und am Ende ist er trocken, hart und schwer abzusetzen.

Warum dasselbe Gemüse bei Durchfall und Verstopfung hilft

Die gelbildenden Ballaststoffe halten Wasser fest. Bei Durchfall binden sie das überschüssige freie Wasser, bei Verstopfung halten sie das Wasser im Kot, das der Dickdarm sonst zu gründlich herausziehen würde. Sie wirken also nicht in eine Richtung, sondern ausgleichend, und deshalb helfen sie bei beiden Problemen. Dazu kommt, dass ein weicherer, etwas voluminöserer Kot die Darmwand dehnt. Diese Dehnung ist das Signal, auf das der Darm mit Bewegung reagiert, und der Kot wird schneller weitertransportiert.

Damit das funktioniert, braucht es aber Wasser. Ballaststoffe können nur festhalten, was da ist. Wenn dein Hund wenig trinkt oder viel Trockenfutter frisst, achte deshalb darauf, dass er über das Futter genügend Flüssigkeit bekommt. Gut eignen sich Kürbis, Karotte und Zucchini, die zusätzlich selbst viel Wasser mitbringt.

Warum grobe Fasern nicht immer helfen

Der Gedanke, bei Verstopfung möglichst viele grobe Fasern zu füttern, liegt nahe, geht aber nicht immer auf. Unlösliche Ballaststoffe vergrößern zwar das Volumen, sie halten das Wasser aber schlecht fest. Fehlt die Flüssigkeit, kann viel grobe Faser den Kot noch fester und massiger machen, und der Hund hat beim Absetzen noch mehr Mühe.

Und bevor du überhaupt zum Gemüse greifst, schau dir die übrige Fütterung an. Sehr häufig liegt harter Kot an zu vielen Knochen, an wenig Trinken oder an zu wenig Bewegung. Daran ändert auch das beste Gemüse wenig.

6. Blähungen und Bauchgrummeln

Kohlarten wie Brokkoli, Blumenkohl und Rosenkohl, aber auch Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und Bohnen enthalten bestimmte Mehrfachzucker, vor allem Raffinose. Für deren Aufspaltung fehlt dem Hund das passende Enzym im Dünndarm. Sie kommen deshalb unverdaut im Dickdarm an, und dort machen sich die Bakterien darüber her. Das Ergebnis kennst du, wenn du nach einer Linsensuppe selbst einmal gegrummelt hast.

Bei einem Hund, der ohnehin zu Blähungen neigt, würde ich Kohl und Hülsenfrüchte deshalb erst einmal weglassen. Das gilt übrigens auch für Futtersorten, in denen Erbsen oder Linsen weit oben in der Zutatenliste stehen. Besser verträglich sind meist Karotte, Kürbis, Zucchini und Pastinake, gut gekocht und püriert, weil ihre Ballaststoffe gleichmäßiger vergoren werden. Fenchel wird bei Blähungen traditionell eingesetzt, und viele Hunde vertragen ihn gekocht gut. Untersucht ist das beim Hund nicht, es ist ein Erfahrungswert, den du vorsichtig ausprobieren kannst.

Wenn dein Hund trotz gut verträglichem Gemüse immer wieder grummelt, schau dir auch die Geschwindigkeit der Umstellung an. Die Bakterien im Dickdarm müssen sich auf neue Ballaststoffe erst einstellen, und wer gleich zu Beginn viel gibt, provoziert genau die Gärung, die er vermeiden wollte.

7. Der empfindliche Magen

Ein Hund mit empfindlichem Magen oder Sodbrennen reagiert weniger auf die Art der Ballaststoffe als darauf, wie lange etwas im Magen liegt und ob es die Schleimhaut reizt.

Der Magen gibt seinen Inhalt erst dann an den Dünndarm weiter, wenn er ausreichend zerkleinert und mit Magensaft vermischt ist. Rohe Gemüsestücke muss er dafür lange bearbeiten, und je länger der Mageninhalt dort liegt, desto mehr Gelegenheit hat er, in die Speiseröhre zurückzufließen. Für einen Magen, der zu Rückfluss neigt, ist Rohkost deshalb ungünstig. Gekochtes, fein püriertes Gemüse ist bereits so weit vorbereitet, dass der Magen es zügig weitergeben kann.

Bei den Kohlarten kommt etwas dazu. Sie enthalten Senfölverbindungen, die beim Zerkauen roher Pflanzenteile freigesetzt werden und die Magenschleimhaut reizen können. Wenn du einem Magenhund überhaupt Brokkoli geben möchtest, dann nur gut gekocht. Gut verträglich sind beim empfindlichen Magen meist Karotte, Kürbis und Zucchini, weich gekocht und fein püriert.

8. Wenn Histamin eine Rolle spielt

Bei manchen Hunden spielen Histamine eine Rolle, darüber habe ich im Artikel „Histamine im Hundefutter“ geschrieben. Unter den Gemüsesorten, die in der Hundefütterung üblich sind, ist vor allem Spinat zu nennen, weil er selbst viel Histamin enthält. Und es gibt eine Quelle, an die kaum jemand denkt: Tomaten. Als Gemüse würdest du sie deinem Hund kaum geben, in vielen Fertigfuttern steckt aber Tomatentrester, also die Reste aus der Saftherstellung. Tomaten gelten als Lebensmittel, die die Freisetzung von Histamin im Körper fördern.

Das meiste Wissen dazu stammt aus der Humanmedizin, für den Hund gibt es kaum Untersuchungen. Wenn dein Hund aber mit Juckreiz, geröteten Ohren oder wechselndem Kot auf sein Futter reagiert und du schon vieles ausgeschlossen hast, lohnt es sich, Spinat wegzulassen, einen Blick auf die Zutatenliste zu werfen und zu beobachten, ob sich etwas verändert.

9. Der chronisch entzündete Darm

Bei Hunden mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist die Lage zwiespältig. Einerseits profitiert die Darmschleimhaut von den kurzkettigen Fettsäuren, die bei der Vergärung löslicher Ballaststoffe entstehen, denn Butyrat versorgt nicht nur die Schleimhautzellen, es wirkt dort auch entzündungsdämpfend. Andererseits ist ein entzündeter Darm mit vielen Ballaststoffen schnell überfordert, vor allem in einer akuten Phase, weil die Vergärung Gase erzeugt und die gereizte Darmwand dehnt.

Hier gilt fast immer, dass weniger mehr ist. Wenige Sorten, die sich bewährt haben, sind besser als eine bunte Mischung, bei der du im Fall einer Reaktion nicht weißt, was sie ausgelöst hat. Geschält, lange gekocht und fein püriert ist hier keine Empfehlung, sondern die Grundvoraussetzung. In einer ruhigen Phase kannst du vorsichtig testen, ob dein Hund mehr verträgt. Wie du dabei vorgehst, beschreibe ich im Artikel „Wenn der Darm Hilfe braucht“.

10. Was nicht in den Napf gehört

Einige Lebensmittel sind für Hunde giftig, unabhängig davon, wie empfindlich ihr Verdauungssystem ist. Wie schnell es gefährlich wird, ist dabei sehr unterschiedlich, und das ist wichtig, damit du im Ernstfall richtig einschätzen kannst, ob du sofort in die Tierarztpraxis musst.

Zwiebelgewächse

Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch und Bärlauch enthalten schwefelhaltige Verbindungen, die die roten Blutkörperchen des Hundes schädigen. Die geschädigten Blutkörperchen werden abgebaut, und wenn das in größerem Umfang passiert, entsteht eine Blutarmut. Wie stark dieser Effekt ist, hängt von der Menge ab. Knoblauch wirkt dabei deutlich stärker als Zwiebel, und getrocknete oder pulverisierte Formen sind besonders kritisch, weil in einem Teelöffel Zwiebel- oder Knoblauchpulver ein Vielfaches der frischen Menge steckt. Kochen oder Trocknen macht die Stoffe nicht unschädlich.

Ein Essensrest mit etwas Zwiebel oder ein Schluck Brühe ist deshalb kein Notfall. Das Tückische ist etwas anderes: Die Schäden an den Blutkörperchen summieren sich, wenn dein Hund über mehrere Tage immer wieder kleine Mengen bekommt. Was einmal harmlos ist, kann regelmäßig gegeben zum Problem werden. Deshalb gehören Zwiebelgewächse nicht als Gewohnheit in den Napf, auch nicht in kleinen Mengen, also kein Gemüse aus dem Suppentopf als Dauerlösung, keine Brühe mit Zwiebeln oder Brühpulver zum täglichen Anfeuchten und kein Knoblauch als regelmäßige Gabe. Manche Hunde reagieren außerdem empfindlicher als andere, das ist zum Beispiel bei manchen Hunden japanischer Rassen wie Akita und Shiba Inu beschrieben, die eine erbliche Besonderheit ihrer roten Blutkörperchen haben.

Hat dein Hund eine größere Menge erwischt, etwa ein Zwiebelnetz geplündert, eine Packung Knoblauchpulver erwischt oder einen großen Teller Essen mit viel Zwiebeln gefressen, dann lass ihn tierärztlich anschauen, auch wenn er noch munter wirkt. Die Anzeichen wie Mattigkeit, blasse Schleimhäute oder rötlicher Urin zeigen sich oft erst nach einigen Tagen.

Weintrauben und Rosinen

Weintrauben und Rosinen gehören zwar zum Obst, ich nehme sie trotzdem mit auf, weil sie so häufig unterschätzt werden. Sie können bei Hunden ein akutes Nierenversagen auslösen. Lange war unklar, woran das liegt. Inzwischen vermuten Toxikolog:innen der amerikanischen Giftnotrufzentrale ASPCA die Weinsäure als Ursache, die Hunde offenbar schlechter über die Nieren ausscheiden können als Menschen. Weil der Gehalt je nach Sorte und Reife stark schwankt, lässt sich nicht vorhersagen, wie viele Trauben einem Hund schaden, und deshalb gibt es hier keine Menge, die du als sicher betrachten kannst. Das ist der Grund, warum der eine Hund eine Handvoll unbeschadet frisst und ein anderer nach wenigen Trauben schwer erkrankt.

Bittere Kürbisgewächse

Zucchini, Kürbis und Gurke sind normalerweise gut verträglich und gehören zu den Gemüsesorten, die ich am häufigsten empfehle. Gerade deshalb ist dieser Punkt wichtig. Kürbisgewächse können Cucurbitacine enthalten, giftige Bitterstoffe, die Erbrechen, Durchfall und starkes Speicheln auslösen und in schweren Fällen lebensbedrohlich werden. Gefährdet ist vor allem Gemüse aus eigenem Anbau, besonders wenn Samen aus dem Vorjahr verwendet wurden oder Zierkürbisse in der Nähe wuchsen. Kochen zerstört diese Stoffe nicht. Probier deshalb vor dem Füttern ein kleines Stück. Schmeckt es bitter, gehört das ganze Gemüse in den Müll, auch für dich selbst. Zierkürbisse haben in Reichweite des Hundes nichts verloren.

11. Nicht giftig, aber wissenswert

Zu einigen Gemüsesorten, die in der Hundefütterung beliebt sind, gibt es Dinge, die du wissen solltest, bevor du sie in den Napf gibst. Manchmal geht es dabei um Verträglichkeit, manchmal um bestimmte Erkrankungen und manchmal einfach um eine falsche Erwartung.

Brokkoli

Brokkoli wird gern gefüttert, weil er entzündungshemmend wirken soll. Gemeint ist das Sulforaphan, ein Stoff, der aus einer Vorstufe im Brokkoli entsteht. Dafür braucht es ein pflanzeneigenes Enzym, die Myrosinase, die beim Zerkauen oder Zerkleinern von rohem oder nur kurz gegartem Brokkoli aktiv wird. In Laborversuchen mit Darmzellen von Hunden hat Sulforaphan Entzündungs- und Stresssignale der Zellen beeinflusst, und eine kleine Studie hat gezeigt, dass Hunde Sulforaphan aufnehmen. Die Hunde in dieser Studie bekamen allerdings ein konzentriertes Präparat aus Brokkolisprossen und keinen Brokkoli aus dem Napf. Für den empfindlichen Hund steckt darin ein Widerspruch: Viel Sulforaphan bildet sich vor allem aus rohem oder kaum gegartem Brokkoli, und genau diese Form reizt den Magen und gärt im Darm. Lange gekochter Brokkoli ist besser verträglich, dann ist das Enzym aber weitgehend zerstört, und es entsteht deutlich weniger Sulforaphan. Wenn dein Hund Brokkoli gut verträgt, spricht nichts dagegen. Eine entzündungshemmende Behandlung ist er für den Verdauungshund aber nicht.

Oxalsäurereiches Gemüse

Spinat, Mangold, Rote Bete und auch die Süßkartoffel enthalten viel Oxalsäure. Oxalsäure verbindet sich mit Calcium zu Calciumoxalat, einem schwer löslichen Salz. Im Darm bedeutet das, dass ein Teil des Calciums aus dem Futter gebunden wird und dem Hund nicht mehr zur Verfügung steht. Ein Teil der Oxalsäure wird aber auch aufgenommen und über die Nieren ausgeschieden, und bei Hunden, die zu Calciumoxalatsteinen in den Harnwegen neigen, kann das die Steinbildung fördern. Diese Hunde sollten deshalb weder Spinat, Mangold oder Rote Bete noch Süßkartoffeln bekommen. Für alle anderen Hunde gilt: Beim Kochen geht ein Teil der Oxalsäure ins Wasser über, deshalb gießt du das Kochwasser bei diesen Sorten weg.

Bei Roter Bete kommt etwas Praktisches dazu: Sie färbt Kot und manchmal auch Urin rötlich. Viele Halter:innen erschrecken dann und befürchten Blut. Wenn du Rote Bete gefüttert hast, denk daran, bevor du dir Sorgen machst.

12. So findest du heraus, was dein Hund verträgt

Führe immer nur ein neues Gemüse ein und lass alles andere in dieser Zeit gleich. Fang mit wenig an, gut gekocht und fein püriert, und steigere langsam. Gib deinem Hund mehrere Tage Zeit, bevor du ein Urteil fällst, denn der Darm reagiert oft erst verzögert, und eine Reaktion am dritten Tag lässt sich leicht mit etwas anderem verwechseln. Wenn dein Hund reagiert, warte, bis sich alles wieder beruhigt hat, bevor du das nächste Gemüse ausprobierst.

Und schreib mit. Kotbeschaffenheit, Blähungen, Grummeln, Schmatzen, Juckreiz, Appetit, alles, was dir auffällt. Nach ein paar Wochen siehst du Muster, die dir im Alltag nie aufgefallen wären. Wie du ein Futtertagebuch so führst, dass es dir wirklich weiterhilft, habe ich im Artikel „Futtertagebuch richtig nutzen“ beschrieben.

Fazit

Ob ein Gemüse deinem Hund guttut, hängt weniger vom Gemüse selbst ab als davon, welche Ballaststoffe es mitbringt, wie du es zubereitest und in welchem Zustand das Verdauungssystem deines Hundes gerade ist. Lösliche, wasserbindende Ballaststoffe wie in Karotte und Kürbis wirken ausgleichend, deshalb helfen sie bei weichem und bei hartem Kot. Kohl, Hülsenfrüchte, Rohkost und oxalatreiches Gemüse machen bei empfindlichen Hunden häufig Probleme. Kartoffel und Süßkartoffel zählen in der Fütterung zu den Kohlenhydraten und nicht zum Gemüseanteil. Weintrauben und bittere Kürbisgewächse gehören nie in den Napf, Zwiebelgewächse nicht regelmäßig und nicht in konzentrierter Form, auch wenn ein versehentlicher Rest kein Notfall ist.

Alles dazwischen findest du nur mit deinem Hund heraus, Schritt für Schritt und mit Geduld. Was beim Hund aus der Gruppe geholfen hat, kann ein guter Anhaltspunkt sein, aber dein Hund entscheidet, ob es auch für ihn passt.

Welches Gemüse hat dich bei deinem Hund überrascht, im Guten oder im Schlechten? Schreib es mir gern in die Kommentare, solche Erfahrungen aus dem Alltag helfen anderen Halter:innen oft mehr als jede Liste.

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